Wissenswertes zum Thema Piercing


Pflegehinweise für Bodypiercings

Wer sich piercen läßt, tut dies im allgemeinen nach reiflicher Überlegung. Für die einen soll ein Ring das Körperbewußtsein verbessern, für andere steht der Schmuckaspekt im Vordergrund, der nächste möchte endlich Frieden mit einem Körperteil schließen und wieder einer braucht ein neues Spielzeug oder den Adrenalin-Kick des Stechens.
Egal aus welchem Grund Du Dich stechen lassen willst, wenn Du den Grund wichtig genug findest, ist es okay. Die besten Heilungsaussichten hat ein Piercing, welches gewollt und gemocht wird, und damit meine ich nicht nur eine oberflächliche Willenserklärung, sondern eine tiefergehende Entscheidung. Sicher, ein Piercing läßt sich rückgängig machen, man kann den Schmuck entfernen und der Stichkanal heilt meist narbenlos wieder zu. Piercing ist nichts zum mal eben ausprobieren, nur weil es chic oder in Mode ist.
Wer den Schmerz des Piercings vermeiden will, wer nicht bereit ist, dafür mit einem intensiven körperlichen Gefühl zu bezahlen, der sollte sich überlegen, ob es ihm wirklich wichtig genug ist oder sich einen Piercer suchen, der mit Lokalanästhesie arbeiten darf, wie Ärzte oder Heilpraktiker.

  1. Die Stelle, die durchstochen werden soll, sollte ca. 5 cm rundherum von Haaren befreit und gewaschen sein. So kann man die Haut besser desinfizieren und hinterher verbinden. Der Stichschmerz entspricht etwa dem zweier Blutentnahmen (einmal hinein, einmal hinaus), wer glaubt das nicht aushalten zu können, weil er Probleme mit dem Kreislauf bekommt, oder Angst vor Nadeln hat, sollte dies vorher sagen. Den Harten zu markieren, nützt niemandem.

  2. Der Ring (oder die Hantel) der eingesetzt wird, ist aus Titan. Stahl (sogenannter Implantatstahl), Niobium, Nylon oder Teflon sind auch möglich, wird aber von uns nicht als Erstschmuck verwandt. Dennoch ist bei allen Materialien theoretisch eine Allergie möglich. Für einen Nichtfachmann ist es schwierig, eine allergische Reaktion von normaler Wundreizung zu unterscheiden, deshalb schaue lieber rechtzeitig bei mir oder einem medizinischen Fachmann vorbei. 

  3. Den Verband (falls es einen gibt) mindestens 12 Stunden auf dem frischen Piercing lassen, danach ist Duschen okay, ein Bad in der Wanne weicht die Haut und das frische Narbengewebe zu sehr auf und sollte daher erst nach einigen Tagen erfolgen. Schwimmbad und Saunabesuch nach frühestens 2 Wochen, Whirlpools sind mindestens 4 Wochen tabu. 

  4. Die Krusten am Rand des Stichkanals lösen sich beim Duschen oder nach dem Einweichen mit lauwarmem Wasser. Auch 10%iges Wasserstoffsuperoxyd eignet sich zur Krustenlösung. Wichtig für die Heilung ist regelmäßiges, vorsichtiges Bewegen des Ringes (oder der Hantel), sowohl in sich als auch hin und her. (Vorher die Hände waschen!) Hierbei möglichst nur an der Kugel anfassen, hinterher Schmuck desinfizieren. 

  5. Regelmäßige Desinfektion ist das A und O, das heißt drei mal am Tag. Octenisept ist für uns das Mittel der Wahl, es brennt nicht so wie alkoholhaltige Mittel und kann auch in der Nähe von Schleimhäuten benutzt werden. Mit Bepanthen-Nasensalbe kann man die Haut um den Stichkanal geschmeidig halten, da Desinfektionsmittel manchmal die Haut austrocknen lassen. Aber nicht den Stichkanal oder den Schmuck mit Salbe schmieren. Ein Geheimtip ist das Benetzen mit Mittelstrahlurin, gerade bei Genitalpiercings bietet sich das an. Außerdem gibt es auch noch eine sehr gute Piercing-Salbe, wenn es mal zu Komplikationen kommt.

  6. Bei Hanteln regelmäßig prüfen ob beide Kugeln fest aufgeschraubt sind, sie können sich durch Reibung etwas lockern. Und ein unfreiwillig verlorenes Schmuckstück ist richtig ärgerlich, denn ein frischer Stichkanal kann sich innerhalb von Stunden schließen und dann muß neu gestochen werden. 

  7. Als Komplikation können neben einer allergischen Reaktion noch zwei Dinge auftreten: erstens Infektionen (ein bißchen Wundsekret auch über Wochen ist normal). Wenn der Rand des Stichkanals mehrere Tage rötlich geschwollen ist und besonders berührungsempfindlich oder taub, dann solltest Du Dich bei mir oder einem medizinischen Fachmann melden. Eine Infektion kann sich auch nach innen ausbreiten und Eiterherde bilden. Eventuell muß der Schmuck entfernt werden, damit die Infektion abheilen kann. Aber auch mechanische Reizungen können einen derartigen "Erfolg" haben, da nützt auch die beste Desinfektion nichts. Also darauf achten, daß der Ring (die Hantel) nicht durch Kleidung oder Bewegung ständig gereizt wird. Notfalls ein Pflaster oder ähnliches anbringen.
    Zweite Komplikation kann ein Herauswachsen des Piercings sein. Das ist manchmal bei zu starker mechanischer Reizung der Fall, aber gelegentlich passiert das auch nach Wochen einfach so. Dann hat der Körper den Fremdkörper nicht gewollt. Ein 2. Versuch nach Abheilung des alten Stichkanals hat meist größere Erfolgsaussichten.

  8. Für viele Körperschmuckträger und -trägerinnen ist das Spielen und Ziehen am Ring ein besonderer Reiz. Schön und gut. Doch sind bestimmte Minimalheilungszeiten zu beachten, denn die Wundheilung verläuft von außen nach innen. Das heißt: es sieht außen schon verheilt aus, wenn sich innen noch kein stabiles Narbengewebe gebildet hat, sondern die Wunde noch offen ist, bzw. die Heilhaut noch so dünn und empfindlich, daß sie einreißen kann. Früheste Belastung durch (vorsichtigen) Zug sollte erst nach einer gewissen Heilungszeit erfolgen. Nach den ersten Spielen ruhig desinfizieren, schadet nichts und ist sicherer (ja, ich weiß, in Filmen sieht man es anders):

  9. Kleine Schamlippen, Klitorisvorhaut, Penisbändchen: 2 - 4  Wochen
    Große Schamlippen, Prinz Albert, Ampalang: 4 - 6  Wochen
    Vorhaut und Hoden: 2 - 8  Wochen
    Brustwarze, Guiche (Damm) und Nabel:12 Wochen

Die Zeiten variieren natürlich je nach Wundheilung, aber sicher ist immer besser. Außerdem sollte jeder ein Gefühl für seinen Körper entwickeln und merken, wann Spielereien mit dem Schmuckstück zu früh sind.

So und jetzt noch die Auswahl des Schmucks und den Stich. Leider kannst du Dir zum Ersteinsatz Deinen Schmuck nicht selber mitbringen, da wir nur eigenes Material einsetzen (Die Dicke und Größe des Ringes oder des Hantelstabes kann man sich selbstverständlich aussuchen: 1,5 mm bis maximal 3 mm ist möglich). Ein Ring läßt sich besser desinfizieren, eine Hantel ist besser, weil ein gerades Schmuckstück in einem geraden Stichkanal schneller heilt - also letztes Endes Geschmackssache. Falls Du nach Abschluß der Heilung einen anderen Schmuck tragen willst, laß Dir beim Auswechseln von einem Fachmann helfen.
Falls Du nachträglich noch Fragen hast, oder Dir bei Deinem Piercing etwas komisch vorkommt, solltest Du uns anrufen:
Telefon 040-31 32 90 (tags zwischen 12.00 und 18.00 im Charon Verlags Büro) oder 0172-526 20 38 oder Andrea montags bis freitags zwischen 12.00 und 20.00 sowie samstags zwischen 12.00 und 16.00 unter 0172-411 11 83.
Ach übrigens: die Zange mit der man die Ringe gefühlvoll und problemlos öffnen kann heißt "Sprengringzange", es gibt bei uns in Edelstahl. Der Preis beträgt € 29,00. Man kann sie aber auch direkt bei den Schlagzeilen bestellen.

Viel Spaß und Freude wünscht Dir "Stahl Stich/Kiss of Fire"
Andrea und Matthias

Piercing Info (19 kb), Historische Infos zu Körperschmuck (14 kb) und
Einverständniserklärung
(8 kb) zum Herunterladen als PDF

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