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Wer sich piercen läßt,
tut dies im allgemeinen nach reiflicher Überlegung. Für
die einen soll ein Ring das Körperbewußtsein verbessern,
für andere steht der Schmuckaspekt im Vordergrund, der nächste
möchte endlich Frieden mit einem Körperteil schließen
und wieder einer braucht ein neues Spielzeug oder den Adrenalin-Kick
des Stechens.
Egal aus welchem Grund Du Dich stechen lassen willst, wenn Du den
Grund wichtig genug findest, ist es okay. Die besten Heilungsaussichten
hat ein Piercing, welches gewollt und gemocht wird, und damit meine
ich nicht nur eine oberflächliche Willenserklärung, sondern
eine tiefergehende Entscheidung. Sicher, ein Piercing läßt
sich rückgängig machen, man kann den Schmuck entfernen und
der Stichkanal heilt meist narbenlos wieder zu. Piercing ist nichts
zum mal eben ausprobieren, nur weil es chic oder in Mode ist.
Wer den Schmerz des Piercings vermeiden will, wer nicht bereit ist,
dafür mit einem intensiven körperlichen Gefühl zu bezahlen,
der sollte sich überlegen, ob es ihm wirklich wichtig genug ist
oder sich einen Piercer suchen, der mit Lokalanästhesie arbeiten
darf, wie Ärzte oder Heilpraktiker.
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Die Stelle, die durchstochen werden
soll, sollte ca. 5 cm rundherum von Haaren befreit und gewaschen
sein. So kann man die Haut besser desinfizieren und hinterher verbinden.
Der Stichschmerz entspricht etwa dem zweier Blutentnahmen (einmal
hinein, einmal hinaus), wer glaubt das nicht aushalten zu können,
weil er Probleme mit dem Kreislauf bekommt, oder Angst vor Nadeln
hat, sollte dies vorher sagen. Den Harten zu markieren, nützt
niemandem.
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Der Ring (oder die Hantel) der
eingesetzt wird, ist aus Titan. Stahl (sogenannter Implantatstahl),
Niobium, Nylon oder Teflon sind auch möglich, wird aber von
uns nicht als Erstschmuck verwandt. Dennoch ist bei allen Materialien
theoretisch eine Allergie möglich. Für einen Nichtfachmann
ist es schwierig, eine allergische Reaktion von normaler Wundreizung
zu unterscheiden, deshalb schaue lieber rechtzeitig bei mir oder
einem medizinischen Fachmann vorbei.
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Den Verband (falls es einen gibt)
mindestens 12 Stunden auf dem frischen Piercing lassen, danach ist
Duschen okay, ein Bad in der Wanne weicht die Haut und das frische
Narbengewebe zu sehr auf und sollte daher erst nach einigen Tagen
erfolgen. Schwimmbad und Saunabesuch nach frühestens 2 Wochen,
Whirlpools sind mindestens 4 Wochen tabu.
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Die Krusten am Rand des Stichkanals
lösen sich beim Duschen oder nach dem Einweichen mit lauwarmem
Wasser. Auch 10%iges Wasserstoffsuperoxyd eignet sich zur Krustenlösung.
Wichtig für die Heilung ist regelmäßiges, vorsichtiges
Bewegen des Ringes (oder der Hantel), sowohl in sich als auch hin
und her. (Vorher die Hände waschen!) Hierbei möglichst
nur an der Kugel anfassen, hinterher Schmuck desinfizieren.
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Regelmäßige Desinfektion
ist das A und O, das heißt drei mal am Tag. Octenisept ist
für uns das Mittel der Wahl, es brennt nicht so wie alkoholhaltige
Mittel und kann auch in der Nähe von Schleimhäuten benutzt
werden. Mit Bepanthen-Nasensalbe kann man die Haut um den Stichkanal
geschmeidig halten, da Desinfektionsmittel manchmal die Haut austrocknen
lassen. Aber nicht den Stichkanal oder den Schmuck mit Salbe schmieren.
Ein Geheimtip ist das Benetzen mit Mittelstrahlurin, gerade bei
Genitalpiercings bietet sich das an. Außerdem gibt es auch
noch eine sehr gute Piercing-Salbe, wenn es mal zu Komplikationen
kommt.
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Bei Hanteln regelmäßig
prüfen ob beide Kugeln fest aufgeschraubt sind, sie können
sich durch Reibung etwas lockern. Und ein unfreiwillig verlorenes
Schmuckstück ist richtig ärgerlich, denn ein frischer
Stichkanal kann sich innerhalb von Stunden schließen und dann
muß neu gestochen werden.
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Als Komplikation können neben
einer allergischen Reaktion noch zwei Dinge auftreten: erstens Infektionen
(ein bißchen Wundsekret auch über Wochen ist normal).
Wenn der Rand des Stichkanals mehrere Tage rötlich geschwollen
ist und besonders berührungsempfindlich oder taub, dann solltest
Du Dich bei mir oder einem medizinischen Fachmann melden. Eine Infektion
kann sich auch nach innen ausbreiten und Eiterherde bilden. Eventuell
muß der Schmuck entfernt werden, damit die Infektion abheilen
kann. Aber auch mechanische Reizungen können einen derartigen
"Erfolg" haben, da nützt auch die beste Desinfektion nichts.
Also darauf achten, daß der Ring (die Hantel) nicht durch
Kleidung oder Bewegung ständig gereizt wird. Notfalls ein Pflaster
oder ähnliches anbringen.
Zweite Komplikation kann ein
Herauswachsen des Piercings sein. Das ist manchmal bei zu starker
mechanischer Reizung der Fall, aber gelegentlich passiert das auch
nach Wochen einfach so. Dann hat der Körper den Fremdkörper
nicht gewollt. Ein 2. Versuch nach Abheilung des alten Stichkanals
hat meist größere Erfolgsaussichten.
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Für viele Körperschmuckträger
und -trägerinnen ist das Spielen und Ziehen am Ring ein besonderer
Reiz. Schön und gut. Doch sind bestimmte Minimalheilungszeiten
zu beachten, denn die Wundheilung verläuft von außen
nach innen. Das heißt: es sieht außen schon verheilt
aus, wenn sich innen noch kein stabiles Narbengewebe gebildet hat,
sondern die Wunde noch offen ist, bzw. die Heilhaut noch so dünn
und empfindlich, daß sie einreißen kann. Früheste
Belastung durch (vorsichtigen) Zug sollte erst nach einer gewissen
Heilungszeit erfolgen. Nach den ersten Spielen ruhig desinfizieren,
schadet nichts und ist sicherer (ja, ich weiß, in Filmen sieht
man es anders):
Kleine Schamlippen, Klitorisvorhaut,
Penisbändchen: 2 - 4 Wochen
Große Schamlippen, Prinz Albert, Ampalang: 4 - 6
Wochen
Vorhaut und Hoden: 2 - 8 Wochen
Brustwarze, Guiche (Damm) und Nabel:12 Wochen
Die Zeiten variieren natürlich
je nach Wundheilung, aber sicher ist immer besser. Außerdem sollte
jeder ein Gefühl für seinen Körper entwickeln und merken,
wann Spielereien mit dem Schmuckstück zu früh sind.
So und jetzt noch die Auswahl
des Schmucks und den Stich. Leider kannst du Dir zum Ersteinsatz Deinen
Schmuck nicht selber mitbringen, da wir nur eigenes Material einsetzen
(Die Dicke und Größe des Ringes oder des Hantelstabes kann
man sich selbstverständlich aussuchen: 1,5 mm bis maximal 3 mm
ist möglich). Ein Ring läßt sich besser desinfizieren,
eine Hantel ist besser, weil ein gerades Schmuckstück in einem
geraden Stichkanal schneller heilt - also letztes Endes Geschmackssache.
Falls Du nach Abschluß der Heilung einen anderen Schmuck tragen
willst, laß Dir beim Auswechseln von einem Fachmann helfen.
Falls Du nachträglich noch Fragen hast, oder Dir bei Deinem Piercing
etwas komisch vorkommt, solltest Du uns anrufen:
Telefon 040-31 32 90 (tags zwischen 12.00 und 18.00 im Charon Verlags
Büro) oder 0172-526 20 38 oder Andrea montags bis freitags zwischen
12.00 und 20.00 sowie samstags zwischen 12.00 und 16.00 unter 0172-411
11 83.
Ach übrigens: die Zange mit der man die Ringe gefühlvoll und
problemlos öffnen kann heißt "Sprengringzange", es gibt bei
uns in Edelstahl. Der Preis beträgt € 29,00. Man kann sie
aber auch direkt bei den Schlagzeilen
bestellen.
Viel Spaß und Freude wünscht
Dir "Stahl Stich/Kiss of Fire"
Andrea und Matthias
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